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Wo wird der Brauch in OÖ gelebt?
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B’hüt‘ uns, St. Leonhard,
Dass uns kein Hund nicht beisst,
Kein Wolf nicht z’reisst
Und kein böser Mensch nicht schad’t.

Spruch zum Leonharditag aus dem Stodertal
(Zitiert nach Neulinger, Erika: Altes und neues Brauchtum im Stodertal. Linz 1998 (Eigenverlag), S. 74)

Der Hl. Leonhard gilt vor allem in Österreich und Bayern als Schutzpatron von Rindern und Pferden („Rossheiliger“). Seine Attribute sind die Kette, das Hufeisen und Tierfiguren, ihm sind zahlreiche Kirchen geweiht.

Am Leonharditag, dem 6. November, oder einem benachbarten Wochenende finden ihm zu Ehren Wallfahrten, Leonhardiritte und Tier- und Pferdesegnungen statt. In manchen Gemeinden folgen auf den Leonhardiritt noch Reiterspiele nach.

Beim Leonhardiritt nehmen zahlreiche Brauchtumsgruppen, Ehrengäste, Besucher und viele Reiter teil. Nach dreimaligem Ritt um die Kirche werden die geschmückten Pferde gesegnet und erhalten eine geweihte Maulgabe (ein Stück Brot, „Leonhardibrot“). Die Jugendlichen tragen Leonhardibuschen (Buschen aus Buchenästen mit bunten Bändern) oder Leonhardistangen (Holzstangen mit Zweigen, Ketten, Hufeisen und bunten Bändern) mit, den Abschluss und weltlichen Rahmen bildet oft ein Volksfest mit Tanz, Kirtagsständen oder Jahrmarkt.

Mit zunehmender Mechanisierung in der Landwirtschaft und dem daraus folgenden Bedeutungsverlust des Viehs als Last- und Arbeitstiere verlor dieser Brauch an Bedeutung. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden diese Bauernfeste mit Tiersegnungen in Pettenbach-Heiligenleithen, Sarleinsbach, St. Leonhard bei Pucking, Desselbrunn, Weißenkirchen im Attergau, Neukirchen an der Vöckla u.a. wieder aufgenommen. Weitere Orte, die Leonhardiritte veranstalten sind Geiersberg, Eidenberg, Schwarzenberg, St. Leonhard bei Freistadt etc. Allerdings übernahmen weitgehend Reitvereine die bäuerliche Tradition.

Im Anschluss an die Leonhardiritte finden an den Nachmittagen in manchen Gemeinden Reiterspiele statt (St. Leonhard bei Pucking, Weißenkirchen im Attergau, Neukirchen an der Vöckla, Geiersberg u.a). Hier können sich die Reiter in verschiedenen Disziplinen mittelalterlicher Spiele messen und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen: Kranzlstechen (einen herabhängenden Kranz mit Hilfe eines Stockes erringen), Türkenstechen (eine Figur mit einer Lanze in Drehung versetzen), Fasselschlagen (beim Vorbeigaloppieren mit einem Spieß ein aufgestelltes Fass zerschlagen), Blochziehen (einen Baumstamm ziehen) oder Galopprennen.

(Siehe Ratzenböck, Anneliese und Euler, Andrea: Durchs Leben – durchs Jahr. Aktuelle Bräuche in Oberösterreich. Linz 2008, S. 99f. und Fochler, Rudolf: Von Neujahr bis Silvester. Volkstümliche Termine in Oberösterreich. Linz 1971, S. 171f.)

Siehe auch: Georgiritt

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